Kurz gesagt
- Bei Gewaltdrohungen ruf sofort die 112 (Italien) oder die 117 (Schweiz) an.
- Sichere die Beweise vor allem anderen: Links, Namen, IDs, Datum und Uhrzeit.
- Melde es Telegram, aber wisse, dass die Plattform bei privaten Gruppen wenig unternimmt: Der Hauptweg ist die Anzeige.
- In Italien und in der Schweiz werden viele dieser Delikte nur auf Strafantrag verfolgt, und es gibt Fristen.
- Antworte nicht, tritt der Gruppe nicht bei, verbreite den Namen des Kanals nicht.
Zu entdecken, dass man in einer Telegram-Gruppe oder einem Kanal gelandet ist, mit den eigenen Fotos, rufschädigenden Anschuldigungen oder den eigenen Daten, ist ein Schock. Oft erfährt man es von einer Freundin oder einem Freund, die einen Screenshot weiterleiten, oder durch Nachrichten, die plötzlich eintreffen. Dieser Leitfaden bringt die nötigen Schritte in eine Reihenfolge, das Dringendste zuerst.
1. Zuerst die Sicherheit, dann alles andere
Wenn in der Gruppe oder privat Gewaltdrohungen gegen dich oder deine Angehörigen stehen oder wenn eine Adresse veröffentlicht wird, warte nicht: Ruf die 112 in Italien oder die 117 in der Schweiz an und informiere die Menschen, mit denen du lebst.
Bleib nicht allein. Sprich mit einer Vertrauensperson. In der Schweiz antwortet die Opferhilfe unter der 142, kostenlos und vertraulich, auch für Angehörige. In Italien ist die 1522 für Gewalt und Stalking zuständig. Alle Kontakte findest du auf der Seite Wer dir helfen kann.
2. Beweise sichern, bevor sie verschwinden
Ein Kanal kann in wenigen Minuten geschlossen, umbenannt oder geleert werden. Bevor du meldest oder blockierst, sichere:
- den Link zu jeder wichtigen Nachricht: In Telegram Desktop Rechtsklick auf die Nachricht › Link kopieren;
- Name und Benutzername der Gruppe oder des Kanals und der Konten, die schreiben;
- die numerische ID der Konten, die sich nicht ändert, wenn Name und Benutzername wechseln: Du findest sie, wenn du den Chat in Telegram Desktop im JSON-Format exportierst;
- Datum und Uhrzeit jeder Nachricht;
- wer dich gewarnt hat und wann: Diese Person kann als Zeugin oder Zeuge dienen.
Ein Screenshot allein, ohne Link und ohne Datum, ist wenig wert. Wir haben Schritt für Schritt erklärt, wie es geht, in So sicherst du die Beweise für einen Pranger auf Telegram.
3. Bei Telegram melden
Telegram bietet mehrere Meldewege:
- die Schaltfläche Melden in der App, bei einer Nachricht, einer Gruppe oder einem Kanal;
- die Adresse abuse@telegram.org für öffentliche Inhalte, mit den Links der Nachrichten;
- für Personen in der Europäischen Union ein Verfahren nach dem Digital Services Act, der europäischen Verordnung über digitale Dienste;
- den offiziellen Bot @NoToScam, falls sich jemand für dich ausgibt.
Du musst aber eine Grenze kennen. In ihren FAQ schreibt Telegram, dass Gruppen und private Chats «unter ihren Teilnehmenden privat sind» und dass es keine externen Anfragen dazu bearbeitet. In der Praxis heisst das:
- bei öffentlichen Kanälen und Gruppen kann eine Meldung zur Entfernung führen;
- bei privaten Gruppen können nur deren Mitglieder in der App melden. Für alles Weitere braucht es die Justizbehörde.
Darum ist die Meldung an Telegram nützlich, ersetzt aber die Anzeige nicht.
4. Wenn es um intime Bilder geht
Wenn in der Gruppe intime Bilder von dir kursieren oder jemand droht, sie zu verbreiten, echte oder mit künstlicher Intelligenz erstellte:
- in Italien kannst du die Datenschutzbehörde (Garante privacy) bitten, vorbeugend einzugreifen: Sie entscheidet innerhalb von 48 Stunden;
- für die anderen Plattformen kannst du StopNCII nutzen, das die Bilder blockiert, ohne dass du sie hochladen musst. Telegram macht allerdings nicht mit;
- leite die Bilder nicht weiter, an niemanden, auch nicht, um sie anzuzeigen. Wenn sie Minderjährige betreffen, melde sie nur der Polizei.
Alle Schritte stehen auf der Seite Intime Bilder werden verbreitet oder ihre Verbreitung wird angedroht.
5. Anzeige erstatten, und zwar früh
Du kannst auch Anzeige erstatten, wenn du nicht weisst, wer dahintersteckt: Nur die Behörden können bei Telegram und bei den Anbietern die Daten der Konten anfordern. Seit 2024 erklärt Telegram, IP-Adresse und Telefonnummer zu liefern, wenn es einen gültigen Beschluss einer Justizbehörde erhält.
In Italien. Du kannst dich an die Polizia Postale oder an jede Dienststelle der Polizei oder der Carabinieri wenden. Viele dieser Delikte, etwa Verleumdung und Stalking (atti persecutori), werden nur auf Strafantrag (it. «querela») verfolgt, das heisst, wenn das Opfer es verlangt. In einer Anhörung im Parlament hat die Polizia Postale daran erinnert, dass ohne Strafantrag nicht ermittelt werden kann. Die Fristen betragen in der Regel 3 Monate bei Verleumdung und 6 Monate bei Stalking und bei der Verbreitung intimer Bilder, ab dem Moment, in dem du davon erfahren hast.
In der Schweiz. Du kannst dich an die Kantonspolizei oder an die Staatsanwaltschaft wenden. Auch hier werden viele Delikte, zum Beispiel jene gegen die Ehre, nur auf Strafantrag verfolgt. Die allgemeine Frist beträgt 3 Monate.
Fristen und Delikte solltest du mit einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen: Sie hängen von deinem Fall ab. Das Glossar erklärt den Unterschied zwischen Anzeige und Strafantrag.
6. Was du nicht tun solltest
- Antworte nicht und provoziere nicht: Jede Antwort füttert die Gruppe und kann den Anschein erwecken, es sei ein Streit zwischen zwei Seiten.
- Tritt der Gruppe nicht mit deinem Konto bei, um dich zu verteidigen oder um «zu sehen, was sie sagen»: Du setzt dich aus und lieferst ihnen neues Material.
- Verbreite den Namen der Gruppe oder des Kanals nicht, auch nicht, um sie öffentlich anzuprangern. Die parlamentarische Kommission zum Femizid hat im Bericht vom 22. April 2026 genau davor gewarnt: Wer die Gruppen nennt, macht Werbung für sie und lässt sie wachsen.
- Versuche nicht, die Täter allein zu entlarven, und veröffentliche keine Namen: Oft benutzen sie die Identität anderer Personen, und du riskierst, eine unschuldige Person zu treffen.
7. Wenn du nicht die einzige betroffene Person bist
Diese Gruppen nehmen selten nur eine einzige Person ins Visier. Wenn du entdeckst, dass andere Menschen dieselbe Behandlung erleben, macht es die Anzeigen stärker und leichter verknüpfbar, wenn ihr euch in Kontakt setzt, am besten über einen Verein oder eine Anwältin bzw. einen Anwalt.
In Italien gibt es auch einen kollektiven Weg: eine Beschwerde bei der AGCOM, der italienischen Kommunikationsbehörde, gegen eine Plattform, die ihre Pflichten nach dem Digital Services Act nicht einhält. Einzelne Nutzende können sie einreichen, ebenso Vereine, und die AGCOM kann mehrere Beschwerden zusammenführen. Bei Telegram leitet sie sie an die belgische Behörde weiter, die die Plattform beaufsichtigt.
Wenn du möchtest, schreib uns: Wir sammeln die Meldungen genau deshalb, um zu verstehen, wie viele Menschen dieselbe Gruppe trifft.
Was du jetzt tun kannst
- Bei Drohungen: 112 (Italien) oder 117 (Schweiz).
- Sichere Links, Namen, IDs, Datum und Uhrzeit von allem.
- Melde bei Telegram aus der App und, bei öffentlichen Inhalten, an abuse@telegram.org.
- Vereinbare einen Termin für die Anzeige und kläre die Fristen mit einer Anwältin oder einem Anwalt.
- Schütze deine Konten mit der Anleitung Schütze dich.
- Such dir Unterstützung: Wer dir helfen kann.
Aktualisiert am 14. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Quellen
- Telegram, FAQ und Datenschutzerklärung, Abschnitt 8.3
- Telegram, Hinweise für EU-Nutzende zum Digital Services Act
- Italienische Abgeordnetenkammer, Kommission zum Femizid, Bericht zur digitalen Dimension der Gewalt (Doc. XXIII Nr. 18, 22.4.2026)
- Italienische Abgeordnetenkammer, Anhörung vom 17.11.2025
- AGCOM, Beschluss 25/25/CONS zu den DSA-Beschwerden
- Garante privacy, Verfahren zu intimen Bildern
- StopNCII, Partnerplattformen
- Opferhilfe Schweiz