Angriffe im Netz · Pranger · Veröffentlichte Daten · Drohungen
Wirst du im Netz blossgestellt? Du musst da nicht allein durch.
Anonyme Gruppen und Konten organisieren regelrechte Hasskampagnen: Sie veröffentlichen Fotos, ehrverletzende Anschuldigungen und persönliche Daten, suchen die Adressen von Familien und drohen Angehörigen. Hier findest du, wie du solche organisierten Belästigungen erkennst, was du sofort tun kannst und an wen du dich wenden kannst.
Für Menschen in Italien und in der Schweiz
Wähle deine Situation
- 01Ich werde an den Pranger gestelltKanäle und Gruppen stellen dich mit Fotos, Beleidigungen und falschen Anschuldigungen bloss.
- 02Meine persönlichen Daten wurden veröffentlichtAdresse, Telefonnummer, Angehörige oder Dokumente wurden veröffentlicht, um dich blosszustellen (Doxxing).
- 03Ich oder meine Familie werden bedrohtNachrichten oder Anrufe mit Gewaltdrohungen, auch gegen deine Verwandten.
- 04Intime Bilder werden verbreitet oder ihre Verbreitung wird angedrohtIntime Fotos oder Videos, echt oder gefälscht, die dir zugeschrieben werden.
- 05Jemand benutzt meinen NamenFalsche Profile in deinem Namen oder dein Name wird benutzt, um andere zu beschuldigen.
- 06Meine Website, meine Konten oder mein Telefon werden angegriffenDrohungen, die Website lahmzulegen, gestohlene Konten, ausspioniertes Telefon.
So gehen sie vor
Belästigungskampagnen im Netz ähneln sich. Wenn du mehr als eines dieser Zeichen erkennst, ist es wahrscheinlich kein einzelner Streit, sondern ein organisierter Angriff.
- Prangerkanäle
- Gruppen und Kanäle mit deinem Namen oder deinem Foto, in denen Bilder, Videos und Beleidigungen erscheinen. Oft trifft es mehrere Personen nach demselben Muster.
- Ehrverletzende Anschuldigungen
- Sie wählen die schwersten Vorwürfe, etwa Sexualdelikte oder Straftaten gegen Minderjährige, weil sie die Betroffenen isolieren und andere davon abhalten, sie zu verteidigen. Ein Vorwurf, der wiederholt wird, ist kein Beweis.
- Persönliche Daten
- Sie verbreiten Dokumente mit Namen, Nummern und Verwandtschaftsverhältnissen, oft voller Fehler. Sie behaupten, die Adresse schon zu haben oder sie bei irgendeinem Dienst angefragt zu haben.
- Drohungen gegen Angehörige
- Wenn die betroffene Person nicht nachgibt, gehen sie auf die Verwandten los: Nachrichten an die Mutter oder die Geschwister, Gewaltdrohungen, Anrufe von ausländischen Nummern.
- Wegwerf-Identitäten
- Neue Konten, wechselnde Namen, ausländische oder virtuelle Nummern. Sie reden von VPN und Hackerangriffen, um unantastbar zu wirken.
- Namen anderer Personen
- Sie treten unter dem Namen von jemand anderem auf, oft einem früheren Opfer, damit sich die Anzeige gegen eine unschuldige Person richtet.
- Intime Bilder
- Sie verbreiten intime Bilder, echte oder manipulierte, die dir zugeschrieben werden, oder drohen damit.
Die ersten 48 Stunden
Was du sofort tun kannst
Bring die Menschen in Sicherheit
Wenn es Gewaltdrohungen gibt, informiere die betroffenen Angehörigen und geh noch heute zur Polizei. Screenshots der Drohungen genügen.
Hör auf zu antworten, aber lösche nichts
Jede Antwort füttert sie und kann alles wie einen Streit zwischen zwei Seiten aussehen lassen. Stelle die Chats stumm, statt sie zu löschen, und blockiere niemanden, bevor du alles gesichert hast.
Sichere die Beweise
Exportiere in Telegram Desktop die Chats im JSON-Format: Sie enthalten die numerische ID der Konten, die gleich bleibt, wenn sich Name und Benutzername ändern. Mache Screenshots, auf denen Datum und Uhrzeit sichtbar sind, und speichere die Links zu den Kanälen.
Melde es der Plattform
Melde Nachrichten, Konten und Kanäle direkt in der App. Sichere vorher die Beweise: Nach der Entfernung könnten sie verschwinden.
Erstatte Strafanzeige
In Italien bei der Polizia Postale (italienische Polizeieinheit für Delikte im Internet) oder bei jeder Dienststelle der Polizei oder der Carabinieri; in der Schweiz bei der Kantonspolizei. Du kannst Anzeige erstatten, auch wenn du nicht weisst, wer dahintersteckt: Nur die Behörden können bei Plattformen und Anbietern die Daten hinter einem Konto anfordern. Für manche Delikte gibt es Fristen (für Diffamierung in Italien in der Regel 3 Monate), warte also nicht.
Verhindere die Verbreitung intimer Bilder
StopNCII erstellt einen digitalen Fingerabdruck der Bilder, ohne sie hochzuladen, und die teilnehmenden Plattformen sperren sie. Wenn du in Italien befürchtest, dass sie verbreitet werden, kannst du vorbeugend den Garante Privacy (italienische Datenschutzbehörde) einschalten. Geht es um Minderjährige, leite das Material an niemanden weiter: Melde es nur der Polizia Postale.
Schütze deine Konten
Aktiviere überall die Zwei-Faktor-Authentifizierung, verstecke deine Telefonnummer auf Telegram und WhatsApp, stelle deine Profile für ein paar Wochen auf privat und schau nach, was man findet, wenn man nach deinem Namen sucht.
Hol dir Hilfe
Anwältinnen und Anwälte, IT-Fachleute und Psychologinnen und Psychologen der Organisationen helfen kostenlos oder zu reduzierten Kosten. Zur Zielscheibe eines Prangers zu werden, belastet: Mit jemandem darüber zu sprechen, gehört zur Verteidigung.
Ein Protokoll, das wirklich nützt
Beispiel für ein Beweisprotokoll (erfundene Daten). Eine Zeile pro Beweis, in zeitlicher Reihenfolge: Das brauchen die Ermittelnden.
| # | Datum und Uhrzeit | Plattform | Konto | Inhalt | Datei |
|---|---|---|---|---|---|
| 01 | 12.03 22:14 | Telegram | ID 5xxxxxxxxx | Drohung gegen Angehörige | export_chat.json |
| 02 | 12.03 22:31 | Telegram | Kanal @beispiel | Foto mit falscher Anschuldigung | screenshot_02.png |
| 03 | 13.03 01:05 | +00 000 000 0000 | Sprachnachricht mit Drohung | audio_03.opus |
Was du nicht tun solltest
Damit deine Lage nicht schlimmer wird
- Veröffentliche keine Namen der Personen, die du hinter dem Angriff vermutest: Sie verwenden oft fremde Identitäten, und du riskierst, eine unschuldige Person zu beschuldigen und selbst angezeigt zu werden.
- Versuche nicht, sie allein mit Suchdiensten oder Fallen zu enttarnen: Auf diese Weise gesammelte Beweise gelten vor Gericht selten.
- Zahle nicht und verhandle nicht: Wer einmal zahlt, wird wieder zur Zielscheibe.
- Leite intime Bilder nicht weiter und veröffentliche sie nicht erneut, auch nicht, um sie anzuzeigen.
Du bist nicht die einzige betroffene Person
Dieselben Gruppen treffen mehrere Menschen. Je mehr Betroffene melden, desto leichter können die Behörden die Fälle verknüpfen. Erzähl uns, was gerade passiert: Wir veröffentlichen nichts.