Kurz gesagt
- Warne sofort alle, die an der veröffentlichten Adresse wohnen, und ruf bei Drohungen die 112 (Italien) oder die 117 (Schweiz) an.
- Sichere die Beweise, dann verlange die Entfernung bei der Plattform, bei Google und bei den Websites, die deine Daten zeigen.
- Bestätige die Daten nicht und dementiere sie nicht: Auch ein Dementi gibt Informationen preis.
- Erstatte Anzeige: Persönliche Daten zu verbreiten, um einzuschüchtern, kann strafbar sein.
Die eigene Adresse, die Telefonnummer oder die Namen der Angehörigen in einem öffentlichen Kanal zu sehen, macht Angst. Diese Praxis heisst Doxxing. Oft dient sie mehr der Einschüchterung als dem tatsächlichen Handeln, aber man muss sie ernst nehmen. Das kannst du tun, der Reihe nach.
1. Die Menschen in Sicherheit bringen
- Warne alle, die an der veröffentlichten Adresse wohnen. Erkläre ruhig, was passiert ist, ohne zu dramatisieren.
- Wenn es auch Gewaltdrohungen gibt, ruf die 112 in Italien oder die 117 in der Schweiz an.
- Informiere eine Vertrauensperson in der Nachbarschaft, die auf seltsame Bewegungen achten kann.
- Vereinbart in der Familie, unbekannte Nummern nicht zu beantworten und am Telefon keine Auskünfte zu geben. Ein Codewort hilft, falsche Anrufe zu erkennen.
2. Beweise sichern
Bevor du die Entfernung verlangst, sichere Links, Screenshots mit Datum und Uhrzeit und, wenn möglich, den Export des Chats. Die Einzelheiten findest du im Artikel So sicherst du die Beweise für einen Pranger auf Telegram.
3. Anzeige erstatten
Bring die Beweise zur Polizei. Persönliche Daten von jemandem zu verbreiten, um ihm zu schaden oder ihn einzuschüchtern, kann strafbar sein, vor allem wenn Drohungen dazukommen. Erkläre, dass die Adresse veröffentlicht wurde und seit wann: Die Polizei kann prüfen, ob Schutzmassnahmen nötig sind.
4. Die Entfernung verlangen
- Bei der Plattform: Melde die Nachricht oder den Kanal. Auf Telegram nutzt du die Schaltfläche Melden und schreibst an
abuse@telegram.org, mit den Links. - Bei Google: Google entfernt aus den Suchergebnissen Seiten, die Kontaktdaten zusammen mit Drohungen oder Aufrufen zur Belästigung zeigen. Mit dem Werkzeug «Ergebnisse über dich» kannst du ausserdem verlangen, Seiten mit deiner Adresse, Telefonnummer oder E-Mail zu entfernen, wo der Dienst verfügbar ist.
- Bei den Websites, die deine Daten zeigen: Du kannst die Löschung nach der DSGVO (der EU-Datenschutz-Grundverordnung) verlangen (Recht auf Vergessenwerden, Art. 17). Das ist kostenlos, und sie müssen innerhalb eines Monats antworten. Wenn sie nicht antworten, kannst du bei der Datenschutzbehörde (in Italien dem Garante privacy) Beschwerde einreichen.
5. Weniger Daten auffindbar machen
- In der Schweiz kannst du deine Gemeinde bitten, die Weitergabe deiner Daten an Dritte zu sperren (Datensperre). Die Regeln unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde.
- Stelle deine Social-Media-Profile auf privat und entferne Telefonnummer, Adresse und Arbeitsort.
- Prüfe die öffentlichen Fotos: Häuser, Kennzeichen und gewohnte Orte verraten, wo man dich findet.
Die vollständige Anleitung steht auf der Seite Schütze dich.
Woher die Daten kommen
Die Daten, die in diesen Gruppen kursieren, stammen meist aus alten Datenlecks, aus Social-Media-Profilen, aus öffentlichen Registern und von Diensten, die Informationen weiterverkaufen. Die italienischen Gerichtsermittlungen der letzten Jahre zeigen auch eine andere Quelle: Personen, die Zugang zu offiziellen Datenbanken haben und sie rechtswidrig nutzen. Im Mailänder Verfahren, das als Equalize bekannt ist, hat die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen 74 Beschuldigte mit über 800 mutmasslich Geschädigten beantragt; das Verfahren läuft, und die Beschuldigten gelten bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig.
Für dich zählt eines: Je weniger über dich auffindbar ist, desto kleiner das Risiko. Die Anleitung steht in Schütze dich.
Oft sind die Daten falsch
In den Dokumenten, die in den Gruppen kursieren, stecken oft Fehler: erfundene Verwandtschaften, alte Adressen, verwechselte Personen. Korrigiere sie nicht öffentlich: Auch ein Dementi gibt Informationen preis. Melde die Fehler nur der Polizei.
Du bist nicht allein
Doxxing ist oft Teil einer grösseren Hasskampagne, mit Prangerkanälen, Verleumdung und Drohungen. Dieselben Personen treffen mehrere Betroffene: Wenn du dich in dieser Situation wiedererkennst, schreib uns. Fälle zu verknüpfen hilft den Ermittelnden.
Was du jetzt tun kannst
- Warne alle, die an der Adresse wohnen; bei Drohungen 112 oder 117.
- Sichere die Beweise.
- Verlange die Entfernung bei Plattform, Google und Websites.
- Erstatte Anzeige.
- Verringere die Daten, die über dich auffindbar sind: Schütze dich.
Aktualisiert am 14. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.